30. Oktober 2002
Spannung im stilistischen Grenzland
Einführungsabend zum dramatischen Oratorium "Johanna auf dem Scheiterhaufen"
Auf einen musikalischen Höhepunktes des Herbstes steuert ein rund 250-köpfiges Ensemble unter der Gesamtleitung von Professor Jörg Straube zu: Am 15. und 16. November wird in der Marktkirche „Johanna auf dem Scheiterhaufen“ von Arthur Honegger zu erleben sein – in Hannover zum ersten Mal seit 20 Jahren und erstmals im französischen Original. Einen Vorgeschmack auf dieses ebenso ungewöhnliche wie eindrucksvolle Werk gibt es am Montag, 28. Oktober, ab 19 Uhr in der Marktkirche.
Gemeinsam mit Jörg Straube wird dort Stadtsuperintendent Wolfgang Puschmann den historischen, musikalischen und künstlerischen Hintergrund des Werkes erhellen, das Arthur Honegger 1935 vollendete. „Jeanne D’Arc au bûcher“ basiert auf einer Dichtung von Paul Claudel und wurde 1938 in Basel uraufgeführt. Einblicke in die vielschichtige musikalische Welt des dramatischen Oratoriums gewährt der Bachchor Hannover an diesem Abend mit einigen Klangbeispielen.
Gemeinsam mit dem Bachchor und dem Bachorchester werden eine große Formation des Mädchenchores sowie fünf Sängerinnen und Sänger für Solopartien bei den beiden Aufführungen im Rampenlicht stehen.
Um eine möglichst hohe Authentizität der Inszenierung zu erreichen, wurden für die Sprechrollen fünf Schaupielerinnen und Schauspieler aus Frankreich verpflichtet. Denn erstmals wird das Stück, das bisher lediglich 1948 und 1982 an der Leine aufgeführt wurde, in Hannover in der französischen Originalsprache zu hören sein.
An Besonderheiten ist „Jeanne D‘Arc au bûcher“ ohnehin nicht arm. In der von ihm gewählten Mischform aus Oper, Oratorium und Schauspiel vereinigt Honegger antikes Drama, mittelalterliches Mysterienspiel und Volkstheater. Spannungsfördernd ist überdies der Brückenschlag zwischen dem historischen Stoff (Johanna starb 1431 auf dem Scheiterhaufen) und der Musik im Gewand der traditionellen Moderne, mit der Honegger stilistische Grenzen sprengt.
Karten für die anderthalbstündigen Aufführungen am Freitag und Sonnabend, 15. und 16. November, jeweils ab 20 Uhr, gibt es bei „Kirche im Blick – Wiedereintrittsstelle“ in der Buchhandlung an der Marktkirche, Telefon 0511 – 3536836, sowie beim Kartenshop Laporte. (js)
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