04. Juni 2003
Würdevoll altern - auch morgen noch?
Nahaufnahme beleuchtet die Zukunft des Lebens im Alter
Immer wieder alarmieren Schreckensmeldungen über vernachlässigte alte Menschen in Heimen und über Vereinsamung in Großstadtwohnungen die Öffentlichkeit. Gleichzeitig ist „Qualitätsmanagement“ das Modewort im Bereich der Altenpflege geworden. Doch auch weil die Personalkosten dort schneller steigen als die Budgets, ist es ein offenes Geheimnis, dass die Qualität der Pflege stetig abnimmt. Noch schwärzer scheint es auszusehen, wenn man in die Zukunft blickt: In spätestens 50 Jahren wird unsere Gesellschaft so überaltert sein, dass Altenpflege in der heutigen Form nicht mehr finanzierbar ist, orakeln die Experten.
Also müssen Alternativen her, strukturelle Reformen. Doch wie könnten diese Veränderungen in der Lebensplanung und im Gesundheitssystem aussehen? Die Fernsehtalkshow „Nahaufnahme“ wird sich in ihrer Juni-Ausgabe dieser Frage zu widmen.
"Würdevoll altern – auch morgen noch?" ist das Thema der TV-Sendung des Evangelisch-lutherischen Stadtkirchenverbands aus dem Studio des Stadtsenders H1. Das einstündige Streitgespräch wird am Montag, 16. Juni, ab 19 Uhr live ausgestrahlt.
Die radikalste Position in der Talkrunde vertritt Friedrich Leidinger aus Köln: Der langjährige Leiter einer gerontopsychiatrischen Abteilung hat die Bielefelder „Initiative zur Abschaffung der Heime“ mit initiiert. Er hält Altenheime für menschenunwürdig und arbeitet heute als Fachaufsicht für einen großen Krankenhausträger.
Michael Brömse, Sozialehtiker und Professor an der Evangelischen Fachhochschule Hannover, begleitet seit Jahren praxisbezogene Projektarbeit, in der es um alternative Formen der Altenbetreuung und des Wohnens im Alter geht.
„Forum für gemeinschaftliches Wohnen“ heißt der bundesweite Verband, in dem Talkgast Doris Tjaden-Jöhren auch Menschen berät, die in Wohngruppen gemeinsam alt werden möchten. Pflegeheime hält die Sozialwissenschaftlerin dennoch für nicht verzichtbar.
Dem zustimmen wird Wilfried Wesemann, der als Bereichsleiter für Gesundheit und Pflege im Diakonischen Werk Niedersachsen alternative Wohnformen zwar begrüßt, deren Möglichkeiten jedoch für begrenzt hält. Er sieht eher Chancen darin, Angehörigen zu mobilisieren oder Kirchengemeinden und Sozialstationen stärker zu vernetzen.
Neben der Talkrunde, die Christine Rettig moderiert, wird Moderator Dirk Stelter mit Gästen sprechen, die in alternativen Wohnprojekten leben, sowie einen Demographen befragen und die Leiterin eines Heims, das altersverwirrte Menschen in neuartigen Wohngruppen unterbringen wird.
Die Sendung wird am 16. Juni um 19 Uhr im Stadtfernsehen H1 (Sonderkanal S11) ausgestrahlt und am selben Abend ab 21 Uhr, sowie am darauf folgenden Sonnabend, 21.Juni, ab 19 Uhr wiederholt. Publikum ist herzlich willkommen, Besucher sollten bis 18.45 Uhr am Georgsplatz 11 im H1-Studio eintreffen.
|