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13. Oktober 2003
Familienaufstellung - gefährliches Psychospiel?

TV-Live-Talkshow Nahaufnahme untersucht Hellingers „Modetherapie“

Kaum ein Trend hat den Psychomarkt in den vergangenen 20 Jahren so durchdrungen wie Bert Hellingers „Familienaufstellung“: Fachleute schätzen, dass inzwischen mehr als 2000 zum Teil selbst ernannte Aufsteller in Deutschland arbeiten. Ein Ende des Booms ist noch nicht abzusehen. Bert Hellinger, ehemaliger katholischer Missionar und Erfinder der Methode, reist inzwischen durch die Welt und inszeniert Familienaufstellungen als medienwirksame Großveranstaltungen. Von seinen Anhängern als Guru verehrt, zeigt sich die psychologische Fachwelt ablehnend. Sie misstraut dem Erfolg einer Kurzzeitmethode, die ohne jegliche Vorkenntnisse der Lebensgeschichte Therapieerfolge verbuchen soll.

Doch was verbirgt sich hinter den Aufstellungen, in der fremde Menschen als Stellvertreter für Familienmitglieder des Patienten aufgestellt werden? Was hat es mit dem „wissenden Feld“ auf sich, das in solchen Aufstellungen entstehen soll, und durch das diese Stellvertreter angeblich genau so empfinden können wie die Familienmitglieder, die sie repräsentieren? Geht es hier um ein esoterisches Mysterienspiel mit möglicherweise fatalen Folgen für die Ratsuchenden? Oder arbeiten Hellinger und seine Schüler mit einem weiter reichenden Begriff von Intelligenz, der neues Wissen über Familienstrukturen eröffnet?

Geht es also um eine esoterische Glaubensbewegung oder ist die Familienaufstellung eine wissenschaftliche Methode? Die Fernsehtalkshow „Nahaufnahme“ will diese Fragen in ihrer Oktober-Ausgabe stellen: "Familienaufstellung – heilsam oder gefährliches Psychospiel?“ ist das Thema der Sendung des Evangelisch-lutherischen Stadtkirchenverbandes Hannover aus dem Studio des Stadtsenders H1. Das einstündige Streitgespräch wird am Montag, 20. Oktober, ab 19 Uhr live ausgestrahlt.

Otto Brink, Psychiater und Psychotherapeut, hat mit Bert Hellinger bereits zusammen gearbeitet, bevor er die „Familienskulptur“ in den USA kennenlernte und als separate Methode weiter entwickelte. Brink gilt heute als einer der prominentesten Lehrer und Familienaufsteller. Das Nahaufnahme-Team filmt ihn vorab bei einer Familienaufstellung. In der Sendung wird er als Verfechter der Bewegung Rede und Antwort stehen.

Mit großer Skepsis wird ihm Angela Moré begegnen, die als Sozialpsychologin an der Universität Hannover und der Medizinischen Hochschule arbeitet. Sie sieht in der Kuzzeitbehandlung eine große Gefahr für Menschen mit traumatischen Erfahrungen und hält Hellingers Vorgehen eher für eine Glaubenssache, als eine wissenschaftliche Methode. Ähnlich kritisch eingestellt ist Gernot Zühlke, Leiter der evangelischen Beratungsstelle in Celle.

Gegen „Familienrekonstruktionen“ im Rahmen einer Therapie hat er zwar nichts einzuwenden, aber er kritisiert besonders die mangelnde Mitsprachemöglichkeit der Klienten in Hellingers Aufstellungen.

Ulrike Bergmann-Korn hingegen, Allgemeinärztin und Homöopathin aus Wennigsen, hat die Familienaufstellung in ihre „ganzheitliche“ Behandlungsmethode aufgenommen. Sie hat die Erfahrung gemacht, dass in Familienaufstellungen krank machende Beziehungsstörungen zu Tage kommen, die sogar mehrere Generationen zurück liegen können.

Christine Rettig moderiert die Nahaufnahme. Sie wird am 20. Oktober ab 19 Uhr im Stadtfernsehen H1 (Sonderkanal S11) ausgestrahlt und am selben Abend ab 21 Uhr sowie am darauf folgenden Sonnabend, 25. Oktober, ab 19 Uhr wiederholt. Publikum ist herzlich willkommen, Besucher sollten bis 18.45 Uhr im H1-Studio, Georgsplatz 11, eintreffen.






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