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26. November 2006
Dem Unrecht widersprechen

Markusgemeinde erinnert an Pastor Heinrich Brinkmann

Als offener Gegner der Nazis und ihres Terrors hat sich Pastor Heinrich Brinkmann in Hannover und weit darüber hinaus einen Namen gemacht. Im Jahr ihres hundertjährigen Bestehens erinnert die Markusgemeinde in der List an ihren ehemaligen Seelsorger und widmet ihm eine Ausstellung. Unter dem Titel „Dem Unrecht widersprechen“ ist sie vom 12. bis 26. November täglich von 10 bis 18 Uhr in der Markuskirche am Lister Platz geöffnet.

Joachim Perels, Professor für Politische Wissenschaft an der Universität Hannover, wird am Sonntag, 12. November, 10.30 Uhr, im Gottesdienst zur Eröffnung der Ausstellung sprechen. Thema seiner Ausführungen: „Christ sein im Nationalsozialismus – Dietrich Bonhoeffer und seine Freunde“. An der Markus-Orgel begleitet Kantor Werner Grießhammer den Gottesdienst.

Unter dem Titel „Sein Bezeugen als Christ“ widmet sich Perels am Donnerstag, 16. November, ab 20 Uhr in der Markuskirche noch einmal dem Leben und Wirken von Pastor Brinkmann.

Der hatte sich als nahezu einziger Pastor der hannoverschen Landeskirche öffentlich kritisch zur Reichspogromnacht am 9. November 1938 geäußert. Die Nazis zerstörten in jener Nacht vor aller Augen jüdische Wohnungen, Geschäfte und Synagogen. 91 Tote, 2676 zerstörte Gottes- und Gemeindehäuser sowie 7500 verwüstete Geschäfte waren die "offizielle" Bilanz dieses Terrors.

In seiner heute noch im handschriftlichen Original vorliegenden Predigt am darauf folgenden Sonntag in der Markuskirche geht Pastor Brinkmann ausdrücklich auf das Pogrom ein und spricht von „Unschuldigen“, vor denen dieser „Sturm“ nicht Halt machen konnte. Er spricht von einer „Welt des Hasses“, die sich „mit trotziger Entschlossenheit… dem Gesetze Gottes … entziehen“ will. Der hannoversche Landesbischof August Marahrens hingegen schwieg zur Pogromnacht, obwohl er zu einer Stellungnahme aufgefordert war.

Mit 29 Jahren wird Brinkmann 1938 Pastor an der Markuskirche. Im Pfarrhaus an der Hubertusstr. 4 befindet sich damals das Büro der hannoverschen Bekenntnisgemeinschaft, die sich den NS-orientierten "Deutschen Christen" widersetzt. Das gesamte Pfarramt der Markuskirche unterstützt damals die „Bekenntnisgemeinschaft".

Brinkmann wird zu Kriegsbeginn 1939 sofort eingezogen. Seine Briefe aus dem Krieg an seine Gemeinde sind ebenfalls erhalten. Brinkmann fällt 1942 als Militärpfarrer in Russland.

Brinkmann war auch dem Theologen Jochen Klepper und dessen Familie eng verbunden. Klepper ist Verfasser so bekannter Kirchenlieder wie das Adventslied „Die Nacht ist vorgedrungen…“ oder das Morgenlied „Er weckt mich alle Morgen…“. Jochen Klepper, dessen Ehefrau Jüdin war, hat Pastor Brinkmann ein eigenes Abendgedicht gewidmet, das in der Ausstellung handschriftlich zu sehen ist. Klepper, der sich 1942 unter dem Druck der Nazis mit seiner Familie das Leben nahm, erwähnt in seinem Tagebuch die Begegnungen mit Pastor Brinkmann mehrfach.

Mit fotografischen und textlichen Dokumenten zu diesen Geschehnissen möchte die Markusgemeinde an Pastor Brinkmann und sein mutiges Bekenntnis erinnern.






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