10. Oktober 2007
Verantwortung für die gesamte Kirche betont
Stadtsuperintendent Puschmann bezieht vor Stadtkirchentag Position
Mit seinem Plädoyer für eine inhaltliche Diskussion über Kirche in der Stadt griff Stadtsuperintendent Wolfgang Puschmann in die aktuelle Spardebatte des Evangelisch-lutherischen Stadtkirchenverbandes Hannover ein. „Der Stadtkirchentag mit all seinen Mitgliedern hat die gesamte kirchliche Arbeit in den Kommunen Garbsen, Hannover und Seelze zu verantworten – mit all ihren Lebensäußerungen“, konstatierte der Spitzenrepräsentant von mehr als 210 000 evangelischen Christinnen und Christen. Diese Verantwortung, so Puschmann, gelte nicht nur für die Kirchengemeinden, sondern auch für die übergemeindlich-funktionalen Einrichtungen.
Bevor der Stadtkirchentag, das Parlament des Verbandes, sich während seiner Herbstsitzung den Vorgaben für die anstehende Stellenrahmenplanung widmete, wollte Puschmann mit seinem Grundlagen-Referat wichtige Impulse für die Diskussion über Kürzungen und Streichungen geben. Vorschläge dafür enthalten die Masterpläne der AG Zukunft.
Dankbar sei er für die Chance, noch vor grundlegenden Beschlüssen seine Position dem Parlament darstellen zu dürfen, sagte Puschmann, zumal sein Plädoyer „keines gegen etwas, sondern für etwas“ sei – „dafür, nicht nur der Macht der Zahlen zu vertrauen“ und „dafür, auch der Beratung inhaltlicher Fragen Aufmerksamkeit zu schenken, Zeit zu opfern und schließlich gegründete Beschlüsse zu fassen.“
Ausgehend von dem Zitat „Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir“ aus dem Brief an die Hebräer (13, 14) lieferte der Stadtsuperintendent eine eingehende theologische Begründung seines Plädoyers.
Hohe Bedeutung falle laut Puschmann den besonderen Herausforderungen der Stadt an die Kirche zu, unter anderem durch soziale Schwerpunkte, aber auch durch die urbane Lebensform, in der „das Evangelium offensichtlich nicht mehr wie selbstverständlich von einer Generation zur nächsten fließt.“ Die Situation der Kirche in der Stadt erfordere, Tradition und Innovation zusammenzuhalten. Daraus würden Aufgaben resultieren, die eine „werdende, werbende und wachsende Kirche“ erfüllen müsse, um ihre Zukunft zu sichern.
Als wegweisende Einrichtungen und Aufgaben in diesem Sinne nannte er unter anderem die Jugendkirche, die Gospelkirche und die Seelsorge-Kirche, das Haus der Religionen, das Hochschulpfarramt und die Wiedereintrittsstelle in Kooperation mit der Stadtmission sowie die Notfallseelsorge, das Diakonische Werk und die Öffentlichkeitsarbeit.
Keinen Zweifel hat Wolfgang Puschmann daran, dass der zu beschreitende Weg schwierig wird. Denn immerhin steht ab 2009 rund jeder fünfte Euro nicht mehr zur Verfügung. „Nun ist es Sache des Stadtkirchenvorstandes und seiner Ausschüsse, Ihnen Vorlagen zu liefern, wie die Kürzungserfordernisse in einem Stellenrahmenplan umgesetzt werden können“, schlug der Stadtsuperintendent den Bogen zum Schwerpunktthema der Sitzung.
Nachdrücklich warb er für eine intensive Diskussion: „Das kann nicht geschehen ohne die Rückmeldungen aus den Gemeinden und den übergemeindlich-funktionalen Einrichtungen, also aus den Gemeinden am gegebenen Ort. Und das kann auch nicht geschehen, ohne dass sich der Stadtkirchentag mit Inhalten und Zielen einer Kirche in der Stadt auseinandersetzt, die nicht nur aus Kirchengemeinden besteht, sondern auch aus Einrichtungen, die in anderer Weise, aber ebenso deutlich, ebenfalls Kirche in der Stadt sind.“ Diakoniepastor Walter Lampe unterstützte später in Anlehnung an Dietrich Bonhoeffer die Ausweitung des klassischen Gemeindebegriffs: „Der Ort bestimmt die Existenzform der Gemeinde.“
Die Bedeutung der inhaltlichen und konzeptionellen Zielsetzung von Kirche in der Stadt unterstrich Puschmann im Vergleich mit einem Puzzle-Spieler: „Sie müssen ein Bild vor Augen haben davon, wie es werden soll, wenn es fertig ist.“
An dem Entwurf eben dieses Bildes entzündete sich im Stadtkirchentag eine ebenso engagierte wie vielschichtige Diskussion. Zunächst hatte der stellvertretende Vorsitzende des Stellenplanungsausschusses und Superintendent des Amtsbereiches West, Christian Sundermann, Basiswissen für den weiteren Fortgang des Verfahrens erläutert.
Die Stellenrahmenplanung in den Gemeinden und Einrichtungen ist Grundlage für die künftigen Haushalte. Die Änderung des landeskirchlichen Zuweisungsrechts und die daraus resultierenden Kürzungen der zu vergebenden Mittel ab 2009 erfordern in allen Bereichen drastische Einschnitte.
Sundermann ließ keinen Zweifel daran, dass es nicht ohne persönliche Härten – für Beamte ebenso wie für Angestellte – bleiben werde. Eindringlich mahnte er, mögliche politische Signale bei den Entscheidungen über Streichungen und Kürzungen mit zu bedenken.
Die Zeit für die Debatte, ohnehin mit Weitsicht vom Präsidium kurzfristig verdoppelt, reichte den Delegierten schließlich nicht aus, um zu einem Konsens zu finden. Zu viele Einzelaspekte im Spektrum zwischen Verfahrensfragen und Prioritätensetzung waren zu klären, so dass sich das Parlament nach mehr als zweistündiger Aussprache darauf verständigte, am 19. Dezember zu einer Sondersitzung zusammenzukommen. Während der nächsten regulären Tagung des Parlamentes am 9. Januar sollen schließlich die Beschlüsse zur Stellenrahmenplanung gefasst werden. (js)
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