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19. Oktober 2007
Opulenter Ohrenschmaus in drei Gängen

Kulturstiftung Marktkirche wirbt mit hochkarätigem Programm

Mädchenchor Hannover: Gleich zur Eröffnung der Musik auf der Baustelle wurde das Qualitätsniveau des Abends markiert.

„Was haben wir Hannoveranerinnen und Hannoveraner für ein Glück, dass wir eine solche Baustelle haben“, sinnierte Bürgermeister Bernd Strauch, als eine gute Stunde der Musik auf der Baustelle schon zahlreiche Appetithäppchen serviert hatte. Einen „opulenten Ohrenschmaus in drei Gängen“ hatte der Vorsitzende der Kulturstiftung Marktkirche, Stadtsuperintendent Wolfgang Puschmann, den Gästen im vollbesetzten Gotteshaus während der Eröffnung angekündigt.

Sechs Stunden hochkarätiges Programm in drei Blöcken mit zahlreichen Einzelkünstlern und Ensembles – viele davon preisgekrönt, ausgezeichnet, hoch dekoriert. Allesamt sind sie renommiert und in der Marktkirche stets gern gesehene Botschafter der Musik, „dieser Stimme, die der Menschheit sagt, dass sie besser ist, als sie es weiß.“ (Wolfgang Puschmann)

Das umfangreiche Orgelprojekt – mit den Neubauten der Chorensembleorgel auf der Empore und der großen Orgel hinter vertrautem Prospekt – fordert von der Atmosphäre im gotischen Kirchenschiff seinen Tribut: Flatterbänder, Sicht- und Staubschutzwände, Absperrgitter und wuchtige Stahlkonstruktionen, deren Doppel-T-Träger der Königin der Instrumente bei ihrer Rückkehr den Thron bieten sollen, schaffen Baustellenflair.

„Wir nutzen die Baustelle, um auf die Möglichkeit und Notwendigkeit der Förderung von kulturellen Angeboten in dieser Kirche aufmerksam zu machen“, ließ der Vorsitzende der Kulturstiftung keinen Zweifel am Ziel des Abends.

Denn das Gotteshaus sei „auch ein kulturelles Zentrum im Herzen unserer Stadt“, so Wolfgang Puschmann. Deutlich zu dokumentieren, dass dieses kulturelle Angebot auch vorübergehend ohne Orgel auf einem hohen Niveau gehalten werden könne, habe sich die Kulturstiftung auf die Fahnen geschrieben.

„Doch Qualität hat ihren Preis“, konstatierte der Stadtsuperintendent und warb darum, die Pausen des Programms zur Kontaktaufnahme mit der Stiftung zu nutzen, um sich über die Möglichkeit von Zustiftungen, Spenden und andere Formen der Zuwendung zu informieren. Die Stiftung ist auf ein solides Grundkapital angewiesen – derzeit sind es rund 120000 Euro –, denn lediglich aus Zinserträgen darf Geld für die Unterstützung von Projekten ausgeschüttet werden.

Auch darüber, wie die ersten Ausschüttungen in den ersten Jahren des Bestehens verwendet wurden, informierten die Vorstandsmitglieder der Stiftung in der Peripherie des Konzertgeschehens. Bei der Förderung stehen, anders als an diesem der Musik gewidmeten Abend, alle kulturellen Angebote gleichberechtigt in der Reihe der Bewerber.

Dass die Kulturstiftung mit ihrer Entscheidung für die Tonkunst richtig lag, bewies die vollbesetzte Marktkirche von Beginn an, als der Mädchenchor Hannover das sechsstündige Programm eröffnete. Seiner Perfektion setzte der KiKiMu-Konzertchor kindlichen Charme entgegen. Unter der Leitung von Lisa Laage-Smidt entwickelt sich an der Marktkirche ein hoffnungsvolles Nachwuchs-Vokalensemble.

Auch was danach folgte, liest sich wie ein Auszug aus dem "Who is who" der hannoverschen (Kirchen-)Musik: Der Knaben-, der Bach- und der Norddeutsche Figuralchor,die Duos Wegner und Cantabile sowie als Einzelinterpreten Elisabeth Schwanda, Ute Schulze, Lisa Laage-Smidt, Monika Herrmann, Ryoko Morooka, Leonhard Brandstetter, Cristian Peix, Markus Becker und Okka von der Damerau konzertierten und musizierten durch einen gehaltvollen, aber kurzweiligen Abend. Alle Ensembles sowie die Künstlerinnen und Künstler verzichteten auf Gagen, um das Anliegen der Kulturstiftung zu unterstützen.

Den stimmungsvollen Ausklang des Abends in der immer noch vollen Marktkirche markierte um Mitternacht das gemeinsame Abendlied von Reinberger, das von den noch anwesenden Künstlern gemeinsam mit dem Publikum gesungen wurde. Die vorbereiteten Noten halfen dabei dem von diesem Programmpunkt überraschten Auditorium, Textunsicherheiten zu überwinden.

Zuvor hatten die beiden "musikalischen Hausherren" der Marktkirche, Kantor Ulfert Smidt und Bachchorchef Jörg Straube, das selten gehörte C-Dur-Konzert für zwei Orgeln von Antonio Soler in Erinnerung gebracht, bevor die Hannover Harmonists für ihre "Arrangements in Close Harmoniy" mit reichlich Applaus gelohnt wurden.

Durchs Programm führte der langjährige NDR-Redakteur Dr. Ralph Ludwig. Mit Hintergrund, Tiefgang und einer Prise Humor würzte er den musikalischen Parforceritt durch fünf Jahrhunderte.

In den beiden Pausen des Fünf-Sterne-Drei-Gang-Menüs war Gelegenheit, mit kleinen kulinarischen Köstlichkeiten und Getränken den genussvollen Abend abzurunden. ProBeruf, eine Jugendwerkstatt in der Titusgemeinde zur Qualifizierung von jungen Menschen für den Arbeitsmarkt, überzeugte beim Catering durch handwerkliche Leistung und Kreativität.

Bis Mitternacht zeigte die Musik auf der Baustelle auf, wofür die Kulturstiftung einsteht: Ein vielfältiges und hochwertiges kulturelles Angebot in der Marktkirche für die Stadt. Das hat Unterstützung nötig – und verdient. (js)

KiKiMu-Konzertchor an der Marktkirche: Unter der Leitung von Lisa Laage-Smidt entwickelt sich ein äußerst vielversprechendes Vokal-Nachwuchsensemble. Die neuen Sweatshirts hatten auf der Baustelle Premiere. (Fotos: Stever)

Filigrane Vokalkunst vor Baustellen-Kulisse: Der Norddeutsche Figuralchor ließ den zweiten Gang ausklingen.

Betreten erwünscht: Auf dieser Baustelle sind Besucher gewollt. Zur Eröffnung des Abends war die Kirche mit erwartungsvollen Gästen gut gefüllt.


Das komplette Pogrammheft für die Musik auf der Baustelle als PDF zum Download

Im Internet

Mehr über die Kulturstiftung Marktkirche:

http://www.kirche-hannover.de/marktkirche/kulturstiftung

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