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18. Mai 2008
Der Wechsel auf die Hörerseite

Markuskirche verabschiedet ihren Musiker Werner Grießhammer

Werner Grießhammer

Nach nahezu vier Jahrzehnten klingt in der Markuskirche eine Ära aus, deren Nachhall weit über die Grenzen der Lister Gemeinde hinaus Resonanz gefunden hat. Kantor Werner Grießhammer hat die letzten Töne seiner Amtszeit gespielt und ist seit Beginn des Wonnemonats Ruheständler. “Mit 60 kann man – mit 63 sollte man – mit 65 muss man“, kommentiert er trocken das Ende seines aktiven Dienstes wenige Tage nach der Vollendung des sechseinhalbten Lebensjahres. Mit einem großen musikalischen Aufgebot – darunter Mitglieder des Staatsorchesters Hannover, Gesangsolisten, „sein“ MarkusChor sowie viele weitere Weggefährten – werden Werner und Ehefrau Betty Grießhammer am Sonntag, 18. Mai, mit einem Festgottesdienst ab 10.30 Uhr in der Markuskirche verabschiedet.

In 39 Jahren, seit das junge Ehepaar Grießhammer in die List kam, hat der frischgebackene ex-Kantor das musikalische Leben im Stadtteil deutlich mit gestaltet. Unmittelbar mit Grießhammers Namen ist die Prägung der Markuskirche zur Musikkirche verbunden, die in Hannover und weit über die Region hinaus eine hervorragende Reputation genießt. Große Namen, erinnerungswürdige Konzerte und profilierte Festivals reihen sich in der Rückblende auf. Jan Garbarek und das Hilliard-Ensemble waren und sind gern Gäste am Lister Platz; German Brass, die Thomaner aus Leipzig und der Dresdener Kreuz-Chor standen auf dem Spielplan. Hochkarätige Organisten aus der ganzen Welt saßen am Spieltisch auf der Empore.

Ebenso unermüdlich, wie sich Werner Grießhammer im Team mit Ehefrau Betty um die musikalischen Gäste in der Markuskirche bemühte, war der eigene Einsatz für die klingende Kunst in der List. Werner Grießhammer, gebürtiger Oberfranke des Jahrgangs 1943 aus Hof stammend, trat am 15. Juli 1969 seine erste hauptamtliche Stelle als Musiker der Markuskirche an. Das Kirchenmusikstudium hatte ihn zuvor ins hessische Schlüchtern, nach Herford und Detmold geführt.

Die Entscheidung der seit Anfang der 60er Jahre verheirateten Grießhammers für Hannover fiel auch, weil die Markuskirchen-Orgel mit vier Manualen lockte. Zudem reizte zum bewegten Ausgang der 1960er Jahre die pulsierende, weltoffene und lebendige Großstadt Hannover.

Im MarkusChor, dem im Rückblick eine der wichtigsten Rollen in Werner Grießhammers musikalischem Vermächtnis zufällt, zählte der junge Kantor damals gerade einmal fünf Aktive. Inzwischen sind es rund 120 Sängerinnen und Sänger, mit denen Grießhammers im Jahr vor der Expo sogar bis nach Japan gereist sind.

Neben der Chorarbeit beschränkte Werner Grießhammer sein musikalisches Wirken nicht allein auf die Orgel, die er – sein Zugeständnis – in Gottesdiensten („und nur dort“) auch im Ruhestand vorerst öffentlich spielen wird. Immer wieder hat er sich mit kraftvollem Elan und hohem Beharrungsvermögen für die Ausführung bedeutender und aufwändiger Werke in der Markuskirche eingesetzt. Ebenso wie bei der Realisierung von international besetzten (Orgel-)Konzertreihen und Festivals nutzte das Organisationstalent Grießhammer sein weitläufiges Netzwerk, um Kolleginnen und Kollegen in diese Projekte einzubinden. Entstanden ist daraus unter anderem eine seit vielen Jahren bestehende kontinuierliche Zusammenarbeit mit dem Staatsorchester Hannover.

Die qualitativ hochwertigen Konzerte, die so möglich werden, ziehen Besucher aus dem weiten Umfeld Hannovers in die Kirche am Lister Platz. Als Höhepunkte seines konzertanten Schaffens erinnert er sich besonders gern an die drei großen Oratorien seines Lieblingskomponisten Felix Mendelssohn-Bartholdy.

Doch mit dem Ende des aktiven Dienstes als Kirchenmusiker der Markuskirche, der später auf den Kirchenkreis Hannover Nordost und dann auf den Amtsbereich ausgeweitet wurde, wird Werner Grießhammer dieses alles hinter sich lassen. „Ich wechsele auf die Hörerseite“, bekundet der Jung-Ruheständler seine feste Absicht, künftig mehr Konzerte zu hören als selbst zu gestalten. Öffentliche Auftritte werde es außerhalb von Gottesdiensten keine mehr geben. Dass er dennoch gelegentlich zu hören sein wird, ist nicht auszuschließen. Denn der leidenschaftliche Organist wird es sich nicht nehmen lassen, bei seinen Touren und Reisen befreundete Organisten um den Schlüssel zu „ihren“ Orgeln zu bitten. (Joachim Stever)






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