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27. November 2007
Hilfe für Helfer aus Hannover

Stadtkirchenverband unterstützt Partnerkirche in Iwanowo bei der Betreuung von Drogenkranken

Himmlischer Beistand: Zum Auftakt der Bauarbeiten für das neue Wohnhaus wird der Bauplatz gesegnet. (Fotos: privat)
Die Betreuung von Drogensüchtigen ist für die orthodoxe Kirche in Russland ein neues Arbeitsgebiet. Unterstützung für die beispielhaften diakonischen Bemühungen seiner orthodoxen Partnerkirche in Iwanowo leistet der Evangelisch-lutherische Stadtkirchenverband Hannover. Seit einigen Wochen errichtet eine Gemeinschaft von Mönchen mit namhafter finanzieller Hilfe ein Gebäude, in dem jeweils vier Rehabilitanden wohnen können. Aufgestockt durch Gelder der kirchlichen Aktion „Hoffnung für Osteuropa“ fließen dafür rund 24 000 Euro in die Eparchie Iwanowo. Weitere 12000 müssen die Mönche aus eigenen Mitteln und aus Spenden aufbringen, um ihr Projekt im abgelegenen Georgijewskoje an der Wolga auszustatten.

Bereits seit 1990 pflegt der Stadtkirchenverband Hannover intensive Kontakte zu Hannovers Partnerstadt Iwanowo und deren Region. Wichtigster Partner auf der kirchlichen Ebene ist dabei die orthodoxe Eparchie. Der vom Stadtkirchenvorstand eingesetzte Arbeitskreis hat es sich unter anderem zur Aufgabe gemacht, für den diakonischen Gedanken in der orthodoxen Kirche zu werben. Dies erscheint aktuell notwendiger denn je, denn aus Russland werden alarmierende Trends zu Drogenkonsum und HIV-Infektionen gemeldet. In der Region Iwanowo ist die Zahl der HIV-Infizierten zwischen 2000 und 2005 um 50 Prozent auf rund 26000 gestiegen.

Massivbauweise: Auf dem Fundament errichtet die Therapiegemeinschaft das künftige Wohnhaus aus mächtigen Baumstämmen.
Vor vier Jahren hat der Arbeitskreis Iwanowo erste Kontakte zur staatlichen Drogenklinik in Iwanowo geknüpft. Ein Besuch in Hannover ermöglichte es vier Ärztinnen und Ärzten, die Arbeit für und mit Drogensüchtigen in der niedersächsischen Landeshauptstadt kennen zu lernen. Dieser Austausch wurde vom Arbeitskreis vermittelt, der intensiv die Entwicklung in Russland beobachtet.

Dabei stieß er auch auf ein Projekt der orthodoxen Kirchengemeinde in Georgijewkoje. Seit zehn Jahren betreuen in dem abgelegenen Ort an der Wolga vier Mönche eine kleine Rehabilitationsstätte. Drogensüchtige lernen dort auf freiwilliger Basis, ihren Platz in einer konstruktiven und klar strukturierten Gemeinschaft zu finden. Sie haben die Chance, ihrem Leben auch, aber nicht allein durch Arbeit wieder einen Sinn zu geben. Seelsorgerliche Beratung und Gebete unterstützen sie auf ihrem neuen Weg.

Kleinod am Ufer der Wolga: In der Nähe zur Kirche gründeten die Mönche ihre therapeutische Wohn- und Arbeitsgemeinschaft.
Zudem besteht ein enger Kontakt zu einem interkonfessionellen Zentrum für Drogenkranke in St. Petersburg, das den Mönchen in fachärztlichen und psychotherapeutischen Fragen beratend zur Seite steht. Das Projekt ist in der orthodoxen Kirche beispielhaft. Es gibt bisher nur wenige orthodoxe Einrichtungen, die Drogensüchtige betreuen.

Im Sommer diesen Jahres hat eine Delegation des Stadtkirchenverbandes Georgijewskoje besucht. und war von der Arbeit sowie dem freundlichen, offenen Geist der Gemeinschaft von Mönchen und Rehabilitanden beeindruckt. Sondierungsgespräche über Möglichkeiten von Unterstützung und Hilfe führten dazu, dass Hilfe aus Hannover beim Bau eines Wohnhauses für die Rehabilitanden erbeten wurde. Sie sind bislang in mehreren, zum Teil baufälligen Hütten untergebracht. In dem neuen zweistöckigen Holzhaus wird neben Platz für vier der Patienten ein Besuchszimmer für Angehörige eingerichtet. Auch ehemalige Rehabilitanden sollen die Möglichkeit bekommen, für kürzere Zeit zur Stabilisierung nach Georgijewskoje zu kommen.

Nach Einschätzung und Erfahrung des Arbeitskreises Iwanowo werde in der russischen Öffentlich und auf Seiten der Regierung immer noch meist die Meinung vertreten, dass es sich bei Aids um eine selbstverschuldete Krankheit handele, für deren Behandlung der Staat nicht verantwortlich sei. Zudem sei die ehemalige sowjetisch geprägte Einstellung der Menschen in Russland noch lange nicht überwunden, dass soziale und medizinische Hilfen in erster Linie Aufgaben des Staates sind. Der leiste allerdings heute nur das Nötigste und unterstütze private Initiativen kaum.

Gleichzeitig wachse aber in der russischen Öffentlichkeit die Sorge um Drogensucht und Aids. Einige Experten befürchten, dass die Entwicklung von Aids so bedrohlich wie in Afrika werden könnte. (js)






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