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30. Januar 2009
Neues Blockhaus für die Drogentherapie

Stadtkirchenverband unterstützt Mönchsgemeinschaft in Iwanowo

Der Lohn der Mühe: Zur Einweihung des neuen Blockhauses konnten die stolzen Bauherren auch Gäste aus der Gemeinde und aus Hannover begrüßen. (Fotos: privat)
Mit namhafter finanzieller Hilfe aus Hannover konnte in der russischen Partnerregion Iwanowo ein Haus für die Therapie von Drogenkranken fertig gestellt und seiner Bestimmung übergeben werden. Zur Einweihung waren Vertreter des Evangelisch-lutherischen Stadtkirchenver-bandes an die Wolga gereist. Bereits seit Jahren unterstützt der Stadtkirchenverband die orthodoxe Eparchie Iwanowo bei diakonischen Aktivitäten, unter anderem bei ihrer Arbeit mit Drogenkranken.

Der Einsatz der russischen Kirche für diesen Aufgabenbereich ist Pionierarbeit, denn trotz der massiv wachsenden Drogenproblematik in Russland und seinen Nachbarstaaten sind die Notwendigkeit des Engagements gegen Sucht und gegen das sich ebenfalls ausbreitende Aids-Virus noch nicht in das Bewusstsein der Gesellschaft und ihrer politischen Führung gedrungen. Auch erhebliche Teile der orthodoxen Kirche zögern noch, sich über vorbeugende Warnungen hinaus auch therapeutisch für Drogensüchtige und Aidskranke zu engagieren.

Fortschritt: Der Leiter des Therapiezentrums, Vater Mefodij, sieht das neue Haus als wichtigen Beitrag zur hoffnungsvollen Arbeit mit den Drogenkranken.
Beispielhaft hat sich eine Mönchsgemeinschaft der Eparchie Iwanowo bereits vor mehr als 10 Jahren dieser Aufgabe verschrieben. In der dünn besiedelten Region Georgijewskoje an der Wolga knüpfte eine Petersburger Ärztin von ihrem Ferienhaus aus Kontakte zu den Kirchenmännern. In St. Petersburg im Kampf der Kirchen gegen Drogen und Aids engagiert, machte sie den Mönchen die drängende Problematik deutlich, so dass sich die Gemeinschaft bereit erklärte, Drogensüchtige aufzunehmen. Das kleine Therapiezentrum gilt inzwischen als Modelleinrichtung. Sein Leiter, Vater Mefodij, gibt seine Erfahrungen auch in Fachzeitschriften und Seminaren weiter.

Nahe einer orthodoxen Kirche oberhalb der Wolga leben und arbeiten die Mönche mit den Rehabilitanden unter größtenteils sehr einfachen Bedingungen. Dank des neuen Blockhauses haben jetzt zwei baufällige Hütten als Unterkünfte für die Patienten ausgedient. Beim Bau des zweistöckigen Blockhauses war ein hoher Anteil Handarbeit nötig, der von den künftigen Bewohnern unter Anleitung der Mönche selbst geleistet wurde.

Unterstützt durch Gelder der kirchlichen Aktion „Hoffnung für Osteuropa“ stellte der Stadtkirchenverband Hannover rund 24 000 Euro für das neue Gebäude bereit. Zuvor war der Iwanowo-Arbeitskreis des Verbandes im Rahmen der intensiven Kontakte mit den russischen Partnern auf die wachsende Drogenproblematik aufmerksam geworden und hatte daraufhin in Deutschland für die Unterstützung der orthodoxen Mönche geworben, zumal die Kirchengemeinde von Georgijewskoje nur über geringe eigene Mittel verfügt.

Die Therapie der Männer, von denen zudem etwa jeder Zweite an Aids erkrankt ist, erstreckt sich etwa über ein Jahr. Die Abgeschiedenheit ist dabei kein Hindernis für eine qualifizierte Therapie, denn die Mönche arbeiten eng mit diakonischen Einrichtungen in St. Petersburg zusammen. Von dort werden ihnen Patienten geschickt und von dort erhalten sie auch fachlichen Rat.

Drogensüchtige lernen in der Gemeinschaft mit den Mönchen auf freiwilliger Basis, ihren Platz in einer konstruktiven und klar strukturierten Gemeinschaft zu finden. Sie haben die Chance, ihrem Leben auch, aber nicht allein durch Arbeit wieder einen Sinn zu geben. Die Ausrichtung der Behandlung ist für russische Maßstäbe modern und vorbildlich. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Arbeit. Die Selbstversorgung mit Feldfrüchten und Gemüse sowie eine kleine Vieh- und Bienenzucht fordern und lehren unter anderem Zuverlässigkeit, Disziplin und Verantwortungsbewusstsein.

Auch Gebete sind Bestandteil der Therapie. Sie sind den Patienten nach Einschätzung der Betreuer eine wesentliche Hilfe, die Last der Drogenzeit zu verarbeiten und neue Hoffnung zu schöpfen. Das Prinzip des Gehorsams gegenüber den Regeln und gegenüber den Notwendigkeiten der Gemeinschaft spielen überdies eine wichtige Rolle auf dem Weg in ein neues Leben.

Die Mönche in Georgijewskoje sind immer offen für neue Ideen. So wollen sie jetzt – erneut mit finanzieller Unterstützung des Stadtkirchenverbandes – einen ökologischen Obst- und Gemüsegarten anlegen. Dazu wird auch ein Gewächshaus gehören, um im russischen Herbst und Frühjahr noch eigenes Obst und Gemüse ernten zu können. Es besteht ein großer Bedarf an gesunder Kost, weil viele Patienten zusätzlich zur Sucht und zu Aids hartnäckig erkrankt sind. Ein erfahrener Landwirtschaftsexperte hat inzwischen seine kostenlose Beratung bei den neuen Aufgaben zugesagt. (ek/js)



Im Internet
Mehr über den Bau des neuen Blockhauses:

http://www2.kirche-hannover.de/news/berichte/1225968691.html
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