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06. August 2009
Aufruf zum Einsatz für den Frieden

Hiroshima-Gedenktag in der Ruine der Aegidienkirche

Den Toten gedenken: Vor dem Altar der Aegidienkirche legten Bürgermeister Strauch und Superintendent Höflich einen Kranz für die Opfer von Krieg und Gewalt nieder.

"Ich habe die Hoffnung, dass solches Leiden nie mehr von unseren Kindern und Enkelkindern erlitten werden muss", zitierte Thomas Höflich den Japaner Tsutomo Yamaguchi beim Hiroshima-Gedenktag in der Ruine der Aegidienkirche. Mit kurzen, aber eindringlichen Worten schilderte der stellvertretende Stadtsuperintendent das unfassbare Schicksal des heute 93-Jährigen Ingenieurs, der im Abstand von 75 Stunden die beiden Atomangriffe auf Hiroshima und Nagasaki erlebte – und überlebte. Sein Leben widmete er dem Kampf gegen die atomare Bedrohung der Menschheit.

In der Tradition des Engagements für den Frieden und in der Erinnerung an alle Opfer von Krieg und Gewalt stehen die Gedenktage in der Aegidienkirche. Deren Ruine mitten in Hannover steht als stetes und gut sichtbares Zeichen der Mahnung.

Zum 64. Jahrestag des Abwurfes einer Atombombe auf Hannovers japanische Partnerstadt Hiroshima hatten sich rund 150 Gäste im sonnendurchfluteten Innenraum der Ruine eingefunden. Mit kurzen Ansprachen erinnerten Superintendent Thomas Höflich – sein Manuskript finden Sie unten im Wortlauf – und Bürgermeister Bernd Strauch an die nukleare Katastrophen im August 1945 und mahnten zum Einsatz für den Frieden.

"Wir müssen auf allen Ebenen darauf drängen, Atomwaffen von unserer Erde zu verbannen", ermutigte Strauch. Der studierte Pädagoge nutzte die Gelegenheit, die Verantwortung der Eltern bei der Friedenserziehung der Kinder zu betonen. Allzu sorglos, so sein Eindruck, werde der Umgang mit Krieg und Gewalt im Spiel akzeptiert.

Zum Zeichen des weltumspannenden Bündnisses der friedenswilligen Menschen ließen Höflich und Strauch um 8.15 Uhr dreimal den mächtigen Klang der Friedensglocke in der Turmhalle der Aegidienkirche ertönen. Eine identische Glocke hängt in Hiroshima und wird dort jeweils am 6. August um 8.15 Uhr Ortszeit – dem Zeitpunkt der Zündung der Atombombe 1945 – angeschlagen.

Mit einer Kranzniederlegung und einer japanischen Teezeremonie unter der Leitung der Teemeisterin Hiryo Nakamoto wurde anschließend der Toten gedacht.

Der Gedenktag wird mit stündlichen Gebeten und Meditationen fortgesetzt. Eine Arbeitsgruppe, an der zahlreiche hannoversche Religionsgemeinschaften beteiligt sind, bereitet diese stündlichen Akzentsetzungen vor. Außerdem begleitet die Bildhaueraktion Herz-Klang den Gedenktag im Mahnmal Aegidienkirche, der ab 18 Uhr mit einer multireligiösen Friedensandacht ausklingt.

Die Ansprache des stellvertretenden Stadtsuperintendenten Thomas Höflich zum Hiroshima-Gedenktag 2009 im Mahnmal Aegidienkirche (Manuskript)

Als am Morgen des 6. August 1945 der 29-jährige Ingenieur Tsutomo Yamaguchi seine Dienstreise in Hiroshima mit der Rückfahrt nach Nagasaki beenden wollte, blendete ihn der atomare Blitz bei dem Aussteigen aus einer Straßenbahn.

Halbblind, taub und von Verbrennungen gezeichnet erreichte er eine Sammelstelle für Verletzte außerhalb der Stadt.
Am 8. August brachte ihn ein Transport in seine Heimatstadt.

Einen Tag später, am späten Vormittag blendete ihn erneut der heiße Blitz einer atomaren Explosion, mit ihm überlebten seine Frau und sein kleiner Sohn.

Als zweifacher Hibakusha, als Überlebender beider Zerstörungen, kämpft er, obwohl schon im 93. Lebensjahr gegen die atomare Bedrohung unserer Menschheit.
Am 16.März sagte er bei einem Kongress in San Francisco:
„Ich habe die Hoffnung, dass solches Leiden nie mehr von unseren Kindern und Enkeln erlitten werden muss. Dafür lebe ich.“

Niyoko Matsubara war 12 Jahre alt, als Schülerin arbeitete sie mit 500 anderen Jungen und Mädchen bei der Trümmerbeseitigung in Hiroshima. Schwer verletzt und gezeichnet überlebte sie dank der einzigen Lehrerin. Insgesamt waren nach dem Angriff nur noch 50 Kinder am Leben.

„Mein Leben hat nur einen Sinn, wenn ich meine Kraft und meine Zeit einer atomwaffenfreien Welt widme.“ So hat sie mit großem Engagement in der Hiroshima-Stiftung gearbeitet.

Alle Zeit und alle Kraft für eine atomwaffenfreie Welt!

Verehrte Anwesende, die Worte, das Engagement der Hibakusha, ja die bloße Existenz dieser Überlebenden der beiden Atomwaffenangriffe sollen uns nicht nur mahnen, sie sollen uns stärken für unseren Einsatz für dieses Ziel. Päsident Barack Obama hat in den letzten Monaten wiederholt von diesem Ziel besprochen, von den meisten belächelt, wohl auch wegen ganz anderer Nachrichten aus Teheran und Pyöngyang.

Es mahnt und stärkt uns aber auch das Bibelwort dieser Woche:
„Lebt als Kinder des Lichtes; die Frucht des Lichtes ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit!“ Der Apostel redet von dem Licht der Liebe Gottes, und dieses Licht verbietet es uns, noch einmal diese Welt durch das Licht atomarer Höllensonnen zu verbrennen.
Es ist an uns, dass aus Worten der Mahnung unsere Antwort wird.


Weltumspannendes Bündnis: Im Mahnmal Aegidienkirche folgten zu früher Stunde rund 150 Menschen dem Ruf, für Frieden einzustehen und den Einsatz gegen Atomwaffen fortzusetzen.






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