30. August 2011
Aufklärungsarbeit bei Ministerinnen-Besuch
Jugendwerkstätten fürchten um ihre Zukunft
Pläne der Bundesregierung sorgen für erhebliche Unruhe bei den Jugendwerkstätten. Die angepeilte Reform der arbeitsmarktpolitischen Instrumente könnte dazu führen, dass die Arbeit mit benachteiligten jungen Menschen massiv gefährdet ist. Während bereits auf vielen Ebenen eine Welle des Widerstands gegen diese Pläne rollt, nutzte die Werkstatt Süd, eine Einrichtung des Evangelisch-lutherischen Stadtkirchenverbandes, um Bundespolitikern Konzept und Erfolg der laufenden Arbeit vorzustellen. Zunächst besuchte Ursula von der Leyen, Bundesministerin für Arbeit und Soziales, die Einrichtung in Kleefeld. Wenige Tage später konnte Brigitte Pothmer, Bundestagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen, begrüßt werden.
„Die Werkstatt Süd beschäftigt und qualifiziert arbeitslose Jugendliche in den Bereichen Gastronomie, Bürokommunikation und Veranstaltungsmanagement. Die jungen Leute sind in der Regel noch nicht ausbildungsreif. Fehlende Schulabschlüsse, schlechte Schulbildung, Schulden, Phasen der Obdachlosigkeit, Drogenkonsum, frühe Elternschaft oder auch allgemein fehlende soziale Kompetenzen sind die Ursachen. Durch eine mehrmonatige sozialpädagogische Begleitung und berufspädagogische Fachanleitung schaffen zwei Drittel der jungen Frauen und Männer langfristig den Weg aus der Arbeitslosigkeit“, skizziert die Geschäftsführerin der Einrichtung, Ingelore Holz, die aktuelle Lage.
Durch die möglichen Veränderungen droht den Jugendwerkstätten – niedersachsenweit werden derzeit rund 5400 junge Menschen in 103 Einrichtungen betreut – eine Kürzung der lebensnotwendigen Förderung durch die Jobcenter. Stadtsuperintendent Hans-Martin Heinemann, der Direktor des Diakonischen Werkes Hannovers, Dr. Christoph Künkel, und Petra Hoyer als Gesellschaftervertreterin führten der Ministerin die Sorgen deutlich vor Augen, konnten aber am Ende nur mit verhaltenem Optimismus deren Zusage quittieren, sich für eine weitere Unterstützung der Jugendwerkstätten einzusetzen.
Heftige Kritik an den Reformplänen der Regierung meldete Brigitte Pottmer an. Sie hat als Sozialpädagogin selbst mit Arbeitslosen gearbeitet und fordert die weitere Unterstützung dieser Bemühungen. Die Gesellschaft könne es sich nicht leisten, junge Menschen "abzuschreiben", so Pottmer, nur weil sich deren Start in das Berufsleben schwieriger gestalte. Bereits jetzt gebe es rund eine Viertelmillion junger Menschen mit Bedarf an Förderung. Eine Reform in der bisher geplanten Form verschärfe das gesellschaftspolitische Problem.
Pottmer fordert, die bisherigen Fördertöpfe zu vereinen, um daraus längerfristige sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse für Arbeitslose ohne Chance auf dem ersten Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Mögliche Arbeitsfelder wären nach ihrer Ansicht Assistenzen in verschiedenen Bereichen beispielsweise in Schulen und Kindergärten. Nicht in Konkurrenz zu regulären Arbeitsplätzen, aber auch ohne das allgemeine Verdikt der "Zusätzlichkeit".
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| Informationen aus erster Hand: Bundestagsabgeordnete Brigitte Pottmer (links) besuchte die Jugendwerkstatt Süd. |
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